Einfach sein – Gedanken nach dem Fieber

Ich hatte die fiese Grippe. Lag mit Fieber im Bett, was schon viele Jahre nicht vorgekommen ist. Danach dauerte es gefühlte Ewigkeiten bis ich mich davon erholte. Aber jetzt kommt das Gefühl durch, wie neu zu sein. Meine Osteopathin hat mir erzählt, dass bei Fieber die Zellteilung um ein mehrfaches schneller abläuft als normalerweise und dass man deswegen eine Art Grunderneuerung durchlebt, was mit einem Entwicklungs-Schub einhergeht. Babys haben nach Fieber diese Schübe und können plötzlich Dinge, die sie vorher nicht konnten. Nun stelle ich mir vor, dass ich auch eine Art Entwicklungsschub hatte, nur auf subtileren Ebenen. Energetische Themen haben sich aufgelöst, von selbst bearbeitet oder wie auch immer man es nennen will. Mir wird plötzlich bewusst, in welchen Bereichen ich mich weiter entwickelt habe, und das macht mich froh. Ich nehme wahr, dass ich zufrieden bin, mit meinem Leben, mit mir, mit der aktuell besten Version meiner selbst, mit meiner Weiterentwicklung. Natürlich ist diese Entwicklung nicht nur während der Zeit des Fiebers geschehen, sondern über einen längeren Zeitraum davor auch schon, aber es ist, als wäre das Fieber der Prozess, der noch fehlte für den Schritt auf die nächste Stufe. Wenn man denn von Stufen sprechen möchte.

Die Weiterentwicklung des eigenen Selbst ist ja eigentlich vor allem ein mehr-und-mehr-bei-sich-selbst-Ankommen. Diese Art Weiterentwicklung ist meiner Meinung nach das Haupt-Ziel unseres Seins. Denn je mehr wir bei uns selbst ankommen, um so glücklicher sind wir. Und das ist doch, was im Kern jeder will: Glücklich sein, gesund sein, geliebt sein. Und je mehr wir bei uns selbst ankommen, um so weniger krank sind wir, und um so weniger bedürfen wir der Liebe von Anderen und aller möglichen Zuwendungen von Außen. Wenn wir bei uns selbst ankommen, sind wir in der Gewissheit, dass alles gut ist, wie es ist. Dass wir selbst gut sind wie wir sind. Dass es keinen Grund gibt, sich zu sorgen, sich anzustrengen, nach etwas zu streben. Wer bei sich ist, ruht in der inneren Zufriedenheit, im Urvertrauen, in der Liebe, die allgegenwärtig ist. Wer sich selbst liebt, braucht nichts anderes, kann aber aus reichem Herzen Freude verschenken und wird dadurch selbst immer glücklicher.

Paradoxerweise streben wir nach etwas, was wir im Außen suchen und können es nur im Innen finden. Paradoxerweise brauchen wir scheinbar diesen Prozess der Suche, um dann zu erkennen, dass wir garnicht hätten suchen brauchen. Denn paradoxerweise strebt der Suchende einem unbekannten Ziel entgegen, bemüht sich, strengt sich an und wenn er diesem Ziel näher kommt erkennt er, dass er schon die ganze Zeit am Ziel war, er hätte garnicht streben und sich bemühen müssen. Trotzdem ist dieses Streben unumgänglich, wenn man die Erkenntnis, am Ziel zu sein noch nicht hat, noch nicht vollkommen fühlt und in alle Lebensbereiche integriert hat. Und mal ehrlich, wer hat das schon. Also ist es empfehlenswert, sich aktiv weiterzuentwickeln, sich zu bemühen, zu suchen….

Aber eben nicht zu krampfhaft. Nicht zu doll. Alles im genau richtigen Maß. Denn der Königsweg ist der, bei dem man „im Fluss“ ist. Sich auch treiben lassen kann, die Gelegenheiten nutzt wie sie kommen, ohne sie erzwingen zu wollen. Ich brauche nicht ständig Seminare zu belegen für meine Weiterentwicklung. Natürlich kann das ein oder andere Seminar mir weiterhelfen, mich inspirieren, mir Schübe geben. Aber das Leben selbst ist der beste Lehrer. Die hauptsächliche Weiterentwicklung geschieht durch meine Interaktion mit Anderen, durch meinen Umgang mit Herausforderungen, durch das, was man „das Leben“ nennt. Dies ist kein Aufruf zum Müßiggang, zum faul-auf-der-Haut-Liegen. Dies ist der Apell daran, möglichst oft „einfach zu sein“. Zu genießen, was ist. Wahrzunehmen, was alles gut ist.

Meine Güte, wie vieles GUT ist! Wie toll mein Leben für mich sorgt, wenn ich darauf vertraue, dass es das tut. Wie gut mein Lehrer, das Leben mir Gelegenheiten verschafft, mich zu entwickeln. Wie entspannt alles ist, wenn ich aufhöre, es kompliziert zu sehen. Wie schön es ist, zu erkennen, dass alles richtig ist, wie es ist. Dass es nicht erst werden muss wie es sein soll. Es gibt kein morgen, auf das ich hoffen oder warten muss, wenn ich erkenne, wie genau richtig das JETZT ist.

Meine Güte, wie schön! Danke liebes Fieber für diesen Erkenntnis-Entwicklungs-Schub!

Ein Gedanke zu „Einfach sein – Gedanken nach dem Fieber

  1. Sehr schön zu lesen. Danke Angela!
    Da gibt es diese herrliche (alte) Geschichte von Janosch: „Oh wie schön ist Panama“. Tieger und Bär wollen es besser, schöner toller etc. haben, alle Sehnsucht alle Erwartung wird in Panama projeziert, die beiden reisen dann drauf los und suchen und suchen und und finden ihr Panama—-bei sich zu Hause. So isses!

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