mein Weg zur gesunden Ernährung

Heute erzähle ich mal etwas von mir persönlich. In letzter Zeit beschäftigt mich das Thema gesunde Ernährung. Das Interessante daran ist, dass ich gerade dafür lange Zeit überhaupt KEIN Interesse hatte. Ich habe von Haus aus keine Liebe zum Kochen. Ich esse gern, aber mir fehlt diese Leidenschaft bei der Zubereitung, es ist für mich eher ein notwendiges Übel, dass ich mir etwas zum Essen zubereiten muss. In meinen Beziehungen kochte immer eher der Partner, nicht ich. Für mich war Kochen irgendwie…Zeitverschwendung.
Ich dachte immer: „irgendwann, wenn ich mal schwanger werde, kommt bestimmt plötzlich (notgedrungen) dieser Umschwung und dann wird mir auf einmal wichtig, dass alles bio und öko und gesund ist“. Dieser Wandel im Denken hat sich nun bei mir langsam eingeschlichen – und das obwohl ich nicht schwanger bin.

Wie kam das?
Zum Einen habe ich ein Umfeld, was mich dahingehend beeinflusst. Yoga bereitet den Boden für dieses Bewusstsein und ein gutes Gefühl für den Körper. Hinzu kommt, dass in meiner Familie einige vegan/glutenfrei-Kandidaten sind, die mich zwar nicht zu ihrem Essensstil überreden wollen, aber dennoch Denkanstöße liefern (wahrscheinlich ist ihnen selbst das noch nicht einmal bewusst). Zeitweise hat es mich genervt, dass alle Yogis immer vegan sein müssen und Tee trinken und Ayurvedisches Essen lieben und ich habe einen Widerstand gespürt, innerlich dagegen rebelliert. Aber mir war auch klar, in welchen Punkten bei mir der Hund begraben lag und welche ungesunden Essens-Angewohnheiten ich hatte… Und dann ging ich den Weg langsam an und es ergaben sich mehrere Schritte weg von diesen Angewohnheiten:

ZUCKER
Letztes Jahr war das Thema „wieviel Zucker ist noch okay“ bei mir präsent. Ich wusste natürlich eh schon, dass weißer Zucker nicht so toll ist, aber ich bin nunmal eine süß-Maus. Dann gab es bei REWE diese „Wieviel Zucker brauchst Du?“-Aktion. Ich dachte wenn sogar REWE mir jetzt das Thema unter die Nase reibt, dann ist es echt schon in der GEsellschaft angekommen und ich drücke mich nicht mehr davor. Also probierte ich alternative Zucker-Varianten aus. Stevia schmeckt meiner Meinung nach scheusslich. Einiges von dem, was die „Ökos“ als Süßungsmittel anpreisen war/ist mir als Naschkatze viel zu wenig süß. Kokosblütenzucker finde ich lecker, aber mal abgesehen davon, dass er sehr teuer ist, schmeckt er mir nicht für alles. Für Apfelpfannkuchen ist er super, aber zu meinem Milchkaffee passt mir der Geschmack einfach nicht. Ich landete bei Birkenzucker (Xylit), der von der Süße her meiner Meinung nach dem weißen Zucker am nächsten kommt. Er hat etwas frisches, mutet fast minzig an. In größeren Mengen wirkt er abführend, wobei diese Menge schnell erreicht ist, wenn man drei Milchkaffee am Tag damit süßt. Somit habe ich dann über ein paar Monate mit meiner Zuckerumstellung sogar abgenommen, (was ein willkommener Nebeneffekt war vor meiner Hochzeit). Aber ganz klar ist dieser Zucker nicht dafür geeignet dauerhaft größere Mengen zu konsumieren. Ich empfehle das nicht als Abnehm-Kur! Ich reduzierte die Menge der Milchkaffees also von drei auf einen am Tag. Dadurch nahm ich weniger Milch, weniger Kaffee und weniger (Birken-)Zucker zu mir. Das tat mir alles gut.

KAFFEE
Im Frühling diesen Jahres war ich zwei Wochen krank (wie fast alle in meinem Umfeld). Ich lag mit Fieber und Schnupfen flach. In dieser Zeit trank ich keinen Kaffee, vor allem, weil ich auf die Milch verzichten wollte, die ja bekanntlich die Schleimbildung anregt, was man bei Schnupfen erst recht nicht gebrauchen kann. Es fiel mir nicht schwer, darauf zu verzichten, weil es mir einfach mies ging und dann schmeckt einem ja eh nichts so wirklich. Nachdem ich wieder genesen war, wollte ich wieder einen leckeren Milchkaffee genießen. Und schon beim ersten Schluck dachte ich: „Hm. Schmeckt irgendwie fies“. Ich stellte fest, dass ich eigentlich nur dann Milchkaffee lecker finde, wenn er sehr stark gesüßt ist. Ansonsten mag ich den Kaffee garnicht. Ich hörte einfach auf, Kaffee zu trinken. Nicht so komplett dogmatisch, nur den täglichen „Gewohnheits-Kaffee“ ließ ich weg. Ich trinke jetzt nur noch dann Latte Macchiato, wenn ich unterwegs bin, mich in einem Café niederlasse und es so richtig genieße. Mir ist dann aber bewusst, dass ich vor allem den Zucker lecker finde und die Milch und der Kaffee nur als Träger dafür fungieren. Und dieses Bewusstsein führt dazu, dass ich das Bedürfnis dazu nicht sehr oft habe.

SAFT-KUR
Während ich krank war, hatte ich begonnen, Orangen auszupressen und den frischen Saft zu trinken. Mein Körper wollte Vitamine und Frische und so gab es ab dann jeden Morgen frischen O-Saft. Das behielt ich auch nach der Krankheitsphase bei. Ich spürte plötzlich unheimlich Heisshunger auf Säfte, kaufte Granatapfelsaft und entdeckte Kokoswasser für mich. Mir kam der Gedanke, eine Saft-Kur machen zu wollen. Mir war vorher garnicht bewusst, dass das soetwas ist wie Fasten, ich hatte einfach das Bedürfnis nach „etwas Gesundes für mich tun“ und der Saft lachte mich so an. Also erkundigte ich mich, kaufte beim Saft-Laden meines Vertrauens kaltgepresste Säfte die als Kur zusammengestellt sind, und ernährte mich 5 Tage nur von Saft und Wasser. Ich aß nichts. Das hätte ich mir noch vor einem halben Jahr nicht vorstellen können. Nichts essen war noch nie attraktiv für mich und ich dachte, ich gehöre zu den Menschen, die einfach regelmäßig Nahrung brauchen. Aber die Säfte waren die tollste Nahrung seit langem! Viele Leute haben Entgiftungs- oder Entzugserscheinungen wenn sie fasten, aber ich hatte ja bereits meine „Süchte“ abgelegt. So ging es mir ab dem ersten Saft-Fasten-Tag bestens. Ich war in den fünf Tagen einfach richtig gut drauf: Geistig klar, konzentriert, wach, vital und gut gelaunt. Ich hatte diese Energie, alles mühelos erledigen zu können. Meine Muskulatur war nicht so stark wie sonst aber ich war total beweglich, mein Körper fühlte sich freier an. Als hätte man bei einer Maschine mal alle Rädchen gereinigt, allen Dreck aus den Fugen gepustet und alles neu geschmiert. Ich fühlte mich blendend! Immer wenn sich ein leichtes Hungergefühl anschlich, war bereits Zeit für den nächsten Saft, so hatte ich nie das Gefühl, hungern zu müssen. Mir wurde bewusst, dass das Einzige, was ich am Nicht-Essen doof fand, die gesellschaftliche Komponente war. Und mir wurde bewusst, wie groß diese Komponente in unserer Gesellschaft ist und wie wenig wir lernen, auf unser eigenes Gefühl zu hören bezüglich unserer Essgewohnheiten.

UMSTELLUNG
Nach der Saft-Kur fand ich es richtig schwierig, herauszufinden, was und vor allem wieviel Nahrung ich wirklich brauche. Ich stellte fest, dass ich nicht wusste, was wirklich gut für mich ist. Ich hatte mehr als sonst das Bedürfnis nach Gemüse und Obst. Und noch weniger als sonst Lust auf Fleisch oder Ei. Ich aß weniger Milchprodukte als sonst, weil es mir weniger behagte. Aber da ich nicht besonders auf die typischen Eiweißlieferanten stehe, die man als Veganer nutzt (Hülsenfrüchte sind nicht so meins, da geht es mir einfach nicht gut mit), war es eine Herausforderung. Ich bin noch nicht komplett durch mit dieser Herausforderung. Was mir geholfen hat, war die Anschaffung eines Thermomix, weil dieses Gerät einfach einiges erleichtert wofür ich sonst zu faul wäre. Nun bin ich auf den Geschmack von Smoothies & Co gekommen. Ich habe sogar mein erstes Ernährungsbuch gelesen und letztens kam es vor, dass ich an einem Freitag Abend mit meinem Mann Rezepte gestöbert habe. Dass ich daran mal Gefallen finden würde, wäre für mich bis vor einigen Monaten undenkbar gewesen! Absolut unvorstellbar…

Ich bin extrem dankbar für diese Entwicklung! Mir geht es einfach unheimlich gut damit, bewusster zu essen. Ich bin bei weitem nicht die Vorzeige-gesund-Esserin. Ich habe mich vorher auch nicht extrem schlecht ernährt (mein Mann kocht nämlich sehr gut und auch prinzipiell viel Gesundes), also es ist jetzt keine 180-Grad-Wendung. Aber ich spüre jetzt viel besser, was mein Körper mag und was nicht. Mir ist bewusster geworden, wann ich nur aus Genuss weiter esse, obwohl mein Körper schon satt ist und wann ich esse weil es eine gesellschaftkliche Konvention ist. Beides minimiere ich durch dieses klare Bewusstsein. Sowohl körperlich als auch geistig tut es mir gut, mir über mein Essen bewusster zu sein. Es fühlt sich an wie eine Transformation zu einer besseren Version meiner Selbst.

Und das alles fing mit dem Zucker an. Danke an den Zucker 😉

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